Weimar im Iran

Laut der Thüringer Allgemeine und Radio Lotte befindet sich gerade eine Weimarer Deligation um Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) zu Besuch in der Islamischen Republik Iran. Am 08. Februar wurde die Deligation „durch den Protokollchef der Stadt Teheran ehrenvoll mit einem kleinen Empfang begrüßt.“1 Hintergrund ist ein kultureller Austausch mit dem Iran, der in Form einer Konzertreise der Weimarer Staatskapelle nach Persepolis, Shirâs und Teheran stattfinden soll. Im Gegenzug soll es im August einen Auftritt iranischer Musiker in Weimar geben. Außerdem ist eine Städte-Freundschaft zwischen Shirâs und Weimar geplant. Der Austausch wird von Außenminister Frank-Walter Steinmeier unterstützt.

Im Iran werden Oppositionelle, Gewerkschafter_innen und Frauenrechtler_innen verfolgt, Staatschef Mahmud Ahmadinedschad ist für seine antisemitischen und antizionistischen Äußerungen bekannt und es findet eine Zensur nicht-islamischer Medien statt. Im Jahr 2005 fand in Teheran eine Konferenz mit staatlicher Beteiligung unter dem Titel „A World without Zionism“ statt, zu dem unter anderem Vertreter der radikal-islamischen Organisation Hizbollah und bekannte Holocaust-Leugner eingeladen waren. Prostitution und homosexuelle Handlungen werden im Iran mit dem Tod bestraft. Auch kulturelle Aktivitäten und Ereignisse, sowie „Kulturexport“ in andere Länder unterliegen im Iran der Kontrolle islamischer Sittenwächter.

Angesichts dieser Tatsachen, die den Beteiligten dieses „kulturellen Austausches“ (u.a. OB Stefan Wolf, Diwan-Festivalleiter Dr. Klaus Gallas, Stadtrat und Kulturmanager Martin Kranz sowie Orchesterdirektor Martin Witkowski und Orchesterinspektor Nils Kretzschmar) bekannt sein dürften, müssen sie sich die Frage stellen lassen, welche „wichtige Botschaft“2 dieser Austausch haben soll. Eine „wichtige Botschaft“ wäre unseres Erachtens ein Austausch mit Oppositionellen aus dem Iran. Wir verurteilen die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der BRD und dem Iran, die ein wichtiges Standbein für den Iran sind, ebenso wie die Appeasement-Politik gegenüber dem Iran. Auch ein „kultureller Austausch“ bedeutet Appeasement, da hiermit der Iran in seiner Selbstdarstellung gegenüber der Welt unterstützt wird.

Daran ändert auch eine Mitteilung der Stadt Weimar nichts, dass auf gegenseitigen Wunsch ein Besuch der Gedenkstätte des KZ Buchenwald auf dem Programm stehen würde, wenn der Bürgermeister von Shirâs, Mehran Etemadi, noch in diesem Jahr Weimar besuchen wird3. Um eine Demütigung der Opfer des Nationalsozialismus durch mögliche Äußerungen Etemadis zu verhindern, sollte die Stadt Weimar von Etemadi vor einem Besuch eine Positionierung zu den Äußerungen von Ahmadinejad verlangen und eine Verurteilung dessen antisemitischen Vernichtungswahns zur Bedingung machen.

Städtefreundschaft in den Iran (TA) | Mein Traum zum Brückenschlag (Gallas im Interview mit der TA) | Förmlicher Empfang in Teheran (TA) | Premiere für das Abendland (TA) | Weimarer treffen in Teheran ein (Radio Lotte) | West Östlicher Diwan Festival Weimar (Mitteilung der Stadt)

  1. TA vom 09.02.2009 [zurück]
  2. Initiator des Austauschs, Dr. Klaus Gallas im Interview mit der TA [zurück]
  3. „West Östlicher Diwan Festival Weimar“ (Mitteilung der Stadt Weimar) [zurück]