Archiv für März 2009

„Wichtig ist der Dialog“ [TLZ-Artikel + Kommentar]

Weimar. (tlz) „Ich garantiere, dass alle begeistert sein werden und zu Botschaftern des Kulturaustausches werden. Das ist genau das, was ich erreichen möchte.“ Kaum Vorbehalte, dafür viel Aufgeschlossenheit begegnete Dr. Klaus Gallas bei seiner ersten Informationsveranstaltung am Montagabend zur Iranreise vom 10. bis 20. Juni. An seiner Seite bei Präsentation des Reiseprogramms war die junge iranische Musikwissenschaftlerin Sara Tavakalimeh, die vor einem halben Jahr ein Studium an der Franz Liszt-Hochschule aufgenommen hat und von ihrem Heimatland erzählte. „Was in den Medien vom Iran berichtet wird, ist nicht so schön“, hofft sie, dass viele die Chance nutzen, sich persönlich einen Eindruck verschaffen. „Wichtig ist der Dialog“, setzt Gallas auf Kommunikation und Abbau von Vorurteilen durch Kennenlernen. „Nur wenn wir miteinander reden, können wir uns verständlich machen.“ Knapp 80 Interessierte waren ins Saalcafé im mon ami gekommen, um mehr über die Reise, die Formalitäten, das Land zu erfahren. Ihre Fragen betrafen Kleidung, Klima, medizinische Versorgung, die Anmeldung. „In den letzten 30 Jahren hat sich im Iran unglaublich viel verändert“, unterstrich Gallas, der das Land 1972 erstmals bereiste. Er ist beseelt von der Idee, etwas zur Annäherung von Orient und Okzident beizutragen. „Mit vielen kleinen Schritten kann man so viel erreichen“, betonte der Initiator des Festivals West Östlicher Diwan das völkerverbindende Element. Schon jetzt steht das nächste Partnerland seines Festivals fest: 2010 werde Marokko Ziel des Kulturaustausches sein, erste Gespräche haben bereits stattgefunden. Sogar für 2011 gebe es bereits mehrere Kandidaten. Vor dem mon ami verteilten Vertreter des „Arbeitskreises zur Kritik des Antisemitismus Weimar“ Flugblätter, auf denen sie die „antisemitischen Vernichtungsdrohungen gegenüber Israel und die Verfolgung Andersdenkender“ im Iran anprangerten und Front gegen „den Austausch mit einem Diktator unter dem Deckmantel der Kultur“ machten. Auf die Frage einer Bürgerin „Wissen Sie eigentlich, dass im Iran ganz viele Juden friedlich leben?“, blieben sie die Antwort schuldig. Wer die Menschenrechtsverletzungen in den Vordergrund stelle, wähle die falsche Perspektive, meinte Gallas. Dass der einseitige Blick geweitet wird, dafür bürgen das Festival, die 200 mitreisenden Weimarer und die Staatskapelle Weimar.

09.03.2009 Von Christiane Weber [Quelle]

Wie gewöhnlich ist sich die Weimarer Presse zu schade die ewigen Kritikaster ernst zu nehmen, die andauernd und immer wieder etwas an diesem angeblichen Antisemitismus herumzumäkeln haben. Schließlich kratzen diese Unverbesserlichen immer wieder an der Selbstgefälligkeit der Weimarer KulturbürgerInnen, die sich diesmal munter und fröhlich in den Iran aufmachen, um unglaublich aufgeschlossen ihren heimlichsten Sehnsüchten zu fröhnen. Anstatt auf den Verweis auf Vernichtungsdrohungen gegen Israel, staatlich organisierte Kongresse „für eine Welt ohne Zionismus“, Holocaustleugnung von Staatsmännern und die Verfolgung von FrauenrechtlerInnen, Homosexuellen und Oppositionellen zu reagieren, spielt man das alles noch herunter mit dem Verweis, dass Juden doch im Iran friedlich leben könnten. Ein Grund, einmal einen Blick auf die tatsächliche Situation von Jüdinnen und Juden im Iran zu werfen. (mehr…)

Weimar im Iran #2

Gestern Abend fand im MonAmi in Weimar eine Informationsveranstaltung zum geplanten Austausch der Stadt Weimar mit mehreren Städten im Iran statt (solidoku weimar berichtete). Der Initiator des Austausch-Projekts, Dr. Klaus Gallas, präsentierte gemeinsam mit der iranischen Musikwissenschaftlerin Sara Tavakalimeh das Programm der ersten Austauschreise, die vom 10. bis 20. Juni stattfinden soll. Er proklamierte die Wichtigkeit eines Dialogs mit dem Iran und dem „Orient“ und versicherte, „dass alle begeistert sein werden und zu Botschaftern des Kulturaustausches werden“. Laut TLZ waren ca. 80 BesucherInnen anwesend. Wir dokumentieren an dieser Stelle das Flugblatt des Arbeitskreises zur Kritik des Antisemitismus Weimar [aka weimar], das gestern Abend vor dem MonAmi und während der Veranstaltung verteilt wurde:

„Horizonterweiterung“ bei den Mullahs

Während sich das Horrorszenario der atomaren Bedrohung gegen Israel im Iran immer weiter in Richtung Realität entwickelt1, lässt man es sich in Weimar nicht nehmen, seinen kulturellen Horizont in einer Diktatur zu erweitern.

Dr. Klaus Gallas, Initiator des Festivals „West Östlicher Diwan Weimar 2009“ sprach in einem Interview davon, dass er „einen Traum, eine Vision“ habe, nämlich „gegenseitige Berührungsängste, Vorurteile und Missverständnisse, die auf beiden Seiten bestehen, aufzudecken, um damit Chancen für die Annäherung und das Verstehen der Menschen unterschiedlicher Kulturkreise und Religionen zu eröffnen“2.
Das Festival, welches im Sommer 2009 in Weimar und dem Iran stattfinden soll, wurde laut Gallas ins Leben gerufen, um einen kulturellen Austausch zwischen Weimar_innen und Iraner_innen zu ermöglichen. So soll begleitend zu einer Tour der Staatskapelle durch die Städte Persepolis, Schirâs und Teheran eine Bürger_innenreise angeboten werden, um Interessierte aus Weimar und der Bundesrepublik teilhaben zu lassen.
Mit der Namensgebung des Festivals knüpft man nicht zufällig bei Johann Wolfgang von Goethe an, der einen seiner letzten großen Gedichtbände unter eben jenem Titel veröffentlichte. Goethe bemühte sich in diesem Band ebenfalls um einen Kulturaustausch zwischen „Abend – und Morgenland“. Man sieht sich hier in einer kulturellen Tradition der „Klassikerstadt Weimar“.
Dass sich die politische Situation in den letzten 200 Jahren allerdings grundlegend geändert hat und man den Iran nicht losgelöst von der dort herrschenden Machtstruktur betrachten kann, blendet Dr. Gallas völlig aus. (mehr…)